RNZ: Sie halten ihre Urkunden in der Hand und freuen sich: Acht Absolventinnen der Louise- Otto- Peters- Schule in Hockenheim haben über den Direkteinstieg Kita in zweieinhalb Jahren die Anerkennung zur staatlich geprüften Erzieherin erreicht, zwei weitere sind noch im Berufspraktikum und erwarten ihre Anerkennung im Mai. Für die frischgebackenen Erzieherinnen war es bereits die zweite Feierstunde.
Insgesamt 17 Frauen verschiedener Altersstufen begannen 2023 gemeinsam die verkürzte praxisintegrierte Ausbildung. Nach der zweijährigen Berufsfachschule hatte ein Teil von ihnen ihr Berufsziel, die sozialpädagogische Assistenz (2BFSAID- Direkteinstieg- Kita), erreicht so dass die Schule Ende Juli 2025 die erste Klasse "Direkteinstieg Kita" verabschiedete (die RNZ berichtete). Mehr als die Hälfte wollte aber noch weiterkommen und den Abschluss als Erzieherin machen.
In den ersten beiden Jahren waren die Frauen drei Tage in der Schule und zwei Tage in der Kita. Während sich bei der regulären Ausbildung ein Anerkennungsjahr anschließt, war dieses für die Quereinsteigerinnen auf ein halbes Jahr Berufspraktikum verkürzt. Doch auch sie mussten eine Facharbeit abgeben, die sie auf Basis der Praxiserfahrungen verfasst hatten. Yvette Frank ist 59 Jahre alt. Sie empfand die Ausbildung als spannend und intensiv aber auch als anstrengend. Zuvor war sie als freiberufliche Fitnesstrainerin tätig gewesen. Als sie von dem neuen Bildungsweg erfuhr, entschloss sie sich, den Schritt zu wagen. Für sie war die Ausbildung "eine Reise, die es wert war zu gehen". Eine Reise, die mit einem Job- Speeddating an der LOP mit sechs Kita- Trägern begann. Alle zehn Minuten ging es an einen anderen Tisch, berichtet sie. Frank kam in einem städtischen Kindergarten in Rauenberg unter, wo sie im Laufe der Ausbildung in verschiedenen Teams mitarbeitete und viele praktische Erfahrung sammelte. Sehr wohl fühlte sie sich in der Schule, wo sie Zusammenhalt erlebte und auch Freundschaften knüpfte.
"Die Gruppe war sehr harmonisch und ich habe viel gelernt", äußert sie. Ihre Lehrerin unterstützte sie tatkräftig. "Sie war immer für uns da und immer erreichbar", lobt sie. Bei zwei Praxisbesuchen mit Ausarbeitungen galt es, fachlich in die Tiefe zu gehen und die Kinder "ressourcenorientiert" zu beschreiben: Was kann das Kind, was will das Kind, was braucht das Kind? Die Prüfungen häuften sich- insgesamt neun schriftliche und eine mündliche.
Wenn sie daran dachte, was alles noch auf sie zukommt, erschien es ihr wie ein Berg: Und so habe sie sich jeweils nur auf die nächste Aufgabe konzentriert. Im Berufspraktikum entwickelte sie innerhalb kürzester Zeit ein Projekt: das Kindercafè. Zuvor hatte sie beobachtet, was Kinder gern machen: Im Sandkasten "Kuchen backen", Dinge "verkaufen", werkeln...Unter einem Tuch versammelte die angehende Erzieherin Objekte, die zu einem Café gehören und kam spielerisch mit den Kids in den Austausch. Die bastelten mit ihr ein Café aus Kartons und malten es an. Gemeinsam backten sie fürs Kindercafé und besuchten auch eine "echtes" Café. Ein Maskottchen diente als roter Faden und war immer dabei.
In ihrem Bericht hat Frank das Projekt auf 30 Seiten beschrieben und das eigene Vorgehen reflektiert. Vor der staatlichen Anerkennung standen dann noch Fachgespräche und eine mündliche Prüfung an. Von einem ganz besonderen Jahrgang der LOP sprach der stellvertretende Schulleiter, Markus Dietz, und drückte seinen "Riesenrespekt" vor dieser Leistung aus. Abteillungsleiterin Erika Rückert räumte ein, dass die Dichte an Prüfungen eine Herausforderung war, "auch für das Familienleben". Und Klassenlehrerin Jana Reinbold war tief bewegt: "Sie glauben gar nicht, wie sehr ich mich für jede von Ihnen freue."
Sylvia Leible, die das Berufspraktikum organisiert hatte, präsentierte über das japanische Erzähltheater Kamishibai die Mutmach- Geschichte "Der Punkt- Kunst kann jeder" von Peter H. Reynolds. Und Lehrerin Wenke Rumrich sang, begleitet von ihrem Kollegen Andreas Schubert, "Ich wünsche dir" von Sarah Connor. Der Direkteinstieg Kita, eine Kooperation zwischen dem Kultusministerium und der Regionaldirektion Baden- Württemberg der Bundesagentur für Arbeit, ist im Februar als Pilot in Weinheim und im September 2023 in ganz Baden- Württemberg gestartet. Er sollte dem Fachkräftemangel begegnen und eignet sich für Personen, die das Berufsfeld wechseln wollen oder bereits als Zusatzkräfte in Kindertageseinrichtungen tätig sind.